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BauFit neu

 

 

Das neue BauFit Konzept:

Alternsgerecht
Bewegungsstrasse
Medienarbeit
Bildschirm oder Keule
Bewegen mit Herz
Kreuz, Knie & Co
Fit am Steuer
Gestalten und Bewegen
MbM
Lehrlinge in Bewegung
AUVAfit
PflegeFit
BauFit
Schichttraining
Männer bewegen


Module zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit

 

Vorbemerkungen

Vor ca. 10 Jahren wurde ich von der AUVA beauftragt, den Interventionspart des Projekts "BauFits" zu konzipieren und zu leiten.

In der Folge habe ich Trainer ausgebildet, das Rückgrat der Bewegungsinterventionstools "Rücken stärken" und "Ausgleichen" baubranchenspezifisch anzubieten und auch bewegungsergonomische Beratungen vor Ort vorzunehmen.

Seit Februar 2013 hat die AUVA BauFit noch attraktiver gemacht:

 


Erfahrungen aus BauFit:

10 Gedankenschritte als Ausgangbasis

  • Bewegungsqualität hängt wesentlich davon ab, in welcher aktuellen Kondition man sich befindet.

  • Die aktuelle Kondition läßt unmittelbar verbessern durch Pausen oder Tätigkeitswechsel

  • Der Erholungswert von Pausen hängt weniger von der Länge als von der Art der Gestaltung ab.

  • Ökonomisches Arbeiten ist in der Bauwirtschaft ein Qualitätskriterium.[3] Die aktuelle Kondition hängt mittelbar auch wesentlich davon, wie ökonomisch gearbeitet wird.

  • Die Ökonomie der Arbeit hängt von der Arbeitsorganisation, den zu Verfügung stehenden Arbeitsmitteln bzw. Arbeitsverfahren, wesentlich aber auch von der Qualität der Bewegung ab.

  • In der Bauwirtschaft gibt es einen ganzen Schatz an "Inpertenwissen", den es lohnt zu bergen, d.h. zu thematisieren und systematisieren. Dieses Inpertenwissen kann während der Betreuung vor Ort bewusst gemacht und gefördert werden.

  • Über wenige Einheiten lässt sich die Arbeitsqualität thematisieren und das Körperbewusstsein während der Arbeit steigern.

  • Das Perpetuum mobile gibt es (gerade) im Bereich Verhaltensprävention nicht, daher wird sich der Effekt der Intervention verflüchtigen.

  • Bewegungsbewusstsein muss kontinuierlich und in immer neuer Form thematisiert werden.

  • Die Bewegungstipps sich an der aktuellen Arbeitssituation anlehnen, Bauarbeiter müssen Zusammenhänge zu den  aktuellen Problemen herstellen können.

Scheibenpflug, 2004

Für die Konzeption der Bewegungsprogramme ergab sich daraus Folgendes:

  • Arbeiten mit kleinen Gruppen

  • über mehrere Einheiten verteilt

  • direkt am Bau

  • bezugnehmend auf Arbeitsbewegungen

  • sowie einbeziehend die aktuelle Situation

Entsprechend der Interventionsziele wurde unterschieden zwischen

„Körpergerecht Arbeiten“,

  • wo es vordergründig um die Bewegungsqualität, implizit aber auch um das Körperbewusstsein bei der Arbeit

Ausgleichsübungen,

  • mit der Zielsetzung sowohl psychischer wie muskulärer Entspannung, angereichert mit Gleichgewichtsübungen und Wahrnehmungsübungen in der Gruppe

Eurythmische Übungen

  • in der Gruppe, zur Steigerung der peripheren Wahrnehmung und die Rhythmisierung sowohl als Einzelperson wie in der Gruppe

Bewegungsstrasse

  • mit sechs Standardsituationen, die die Teilnehmer vor Beginn der Interventionen und bei Projektende zu absolvieren hatten, mit dem Ziel nachzuvollziehen, inwieweit die Interventionstipps verhaltensändernd im Sinne einer Verbesserung der Bewegungsqualität wirken.

Beispiel einer Intervention

Ausgangssituation:

Bewehren der Bodenplatte durch acht Eisenbinder. Diese haben die Arbeit von zwölf Leuten zu machen, damit morgen in der Früh betoniert werden kann. In einem ersten Vorgespräch die Woche zuvor hatte ich die beiden maßgeblichen Mitarbeiter motiviert und mich angekündigt. Es ist sehr heiß und eine lang ersehnte Kurzpause („wir gehen nicht rauf in den Container, das zahlt sich nicht aus.“ wird eingelegt. Der Leiter der Eisenbieger beginnt über die hohen Beanspruchungen beim Auflegen der Eisen auf den Rücken zu erzählen...

Intervention:

  • Hinweis auf Sinnhaftigkeit eines beidseitigen Wechsel

  • Eisenbiegerchef begegnet, dass er immer nur mit der rechten Hand gearbeitet habe und es nicht möglich sei, zu wechseln, weil sie dafür keine Zeit hätten.

  • Ich lasse mir erklären, was bei der anstrengenden Arbeit zu tun sei

  • Selbst ausprobiert und werde ausgebessert

  • Ersuche den Leiter, mich bei der Erprobung der Varianten aufzunehmen

  • Das Gegenargument „Zeit“ aufgegriffen

  • Ein Dritter stoppt mich während ich die Eisenstangen einmal mit der Rechten, dann mit der Linken Hand auflege. Ergebnis: 17“ bzw. 15“. Die beiden Sekunden sind zu vernachlässigen, nicht aber der Belastungswechsel !

  • Der Chef der Eisenbieger will nun auch gestoppt werden. Er triumphiert mit 7“ bzw. 11“.

  • Gratulation, dass er mit seiner „patscherten“ Hand schneller ist, als ich mit meiner Besseren.

  • Vier Sekunden „Zeitverlust“ bei ihm sind ebenfalls zu vernachlässigen.

  • Vereinbarung bis nächste Woche: er wird bei der nächsten Aufgabe (300 Stück verlegen) mit seiner besseren Seite beginnen und nur die letzten drei Stangen mit links machen.

  • Wenn er sich sicher fühlt, dann mit die letzten vier und sich so bis zu den letzten sieben „hinaufhangeln“.

  • Sein Kollege bekommt einen Dehnungstipp für die Mm. Piriformis, glutaeus und Iliosacralgelenk. Dies soll er jeden Tag am Abend machen und mir nächste Woche erzählen, welche Fortschritte er gemacht hat.

 

 

 

 

 

Wirkung

  • Der Leiter der Eisenbiegergruppe hat die Bereitschaft, mit seiner Arbeitsbewegung zu experimentieren und diese zu variieren. Er hat ein jahrzehntelanges Dogma „ich bin und bleibe Linkshänder“ weitgehend abgebaut. Zur eigenen Bestärkung hat er dies auch an seine Mitarbeiter weitergeben.

  • Er wurde bei seinem Hauptproblem abgeholt. Er wurde gewonnen - und en passant auch seine Gruppe. Einige haben Rückenübungen bekommen, der sie nun täglich bis zum nächsten Dienstag üben und dann berichten sollte, wie sie wirken.

  • Sie wirkten und wurden konsequent geübt. Die Kollegen wurden die eifrigsten Unterstützer unseres Projekts.

  • Zwei Wochen später berichtete er über Besserungen im Rückenbereich wie auch in der Befindlichkeit, bzw. dass er die Hand nicht nur beim Bewehren der Bodenplatten, sondern auch bei anderen Tätigkeiten gewechselt habe.

Erkenntnisse aus BauFit

Auch Baustellen, nicht nur Bauarbeiter, können betreut werden. Dort allerdings auch verhaltenspräventiv.

Durch gute Planung lassen sich viele Stressherde a priori bereits vermeiden. Daher sollten Baugruppen am Beginn auch die Zeit gelassen werden, Arbeitsabläufe ergonomisch vorzuplanen.

Die Kenntnis von Arbeitsabläufen und Sicherheit auf der Baustelle steigert die Beratungseffizienz, sowohl was die Akzeptanz als auch was die Aktualität und Präsenz betrifft..

Arbeitsabläufe lassen sich durch intensive Einbindung von Polieren und Kranführer optimieren. Nützlich ist eine vorbereitende bzw. begleitende Betreuung der Verwaltung.

Vorgesetzte (Polier, Bauleiter) sollten an den Interventionen auch teilnehmen.

Arbeitsbedingungen müssen als gestaltbar und veränderbar erkannt  werden. Dies ist selbst im Bau, dessen Kerngeschäft ja die Veränderung von (Arbeits)umgebung ist, nicht immer so selbstverständlich.

Manche Lösungsvorschläge, wie z.B. Tätigkeitswechsel bzw. Aufgabenrotation, greifen nicht über direkte Arbeitnehmerberatung sondern erfordern Organisationsentwicklungsmaßnahmen

Tipps zur Bewegungsqualität erhöhen die Akzeptanz für kompensatorische Bewegungsprogramme.

Schriftliche Unterlagen (in Plakatform) machen Sinn, sollten sich möglichst direkt auf die Situation auf die konkreten Baustelle beziehen.

Plakate mit konkreten Tipps vor Ort sollen direkt an der Baustelle aufgehängt werden. Günstig ist es, den Polier für die Pflege dieser Medien zu gewinnen.

Bewegungsprogramme sollten möglichst an konkreten Alltagssituationen ansetzen.

Bewegungstipps können nicht in einer einmaligen Schulung rüber gebracht werden, sie erfordern Aufbau und Wiederholung. Dabei ist die Kombination von Gruppenschulung und anschließendem teilnehmenden  Coaching zu favorisieren.

In vier Einheiten à 30 Minuten können die wesentlichen Aspekte körpergerecht Arbeitens an den Mann weiter gegeben werden.

Das perpetuum mobile gibt es nicht, daher müssen immer neue Verpackungen gefunden werden, Bewegungsergonomie zu thematisieren.

Es besteht die Gefahr, dass Bewegungsqualität auf „arbeiten mit geradem Rücken“ reduziert wird. Ein kontraproduktiver Effekt, wenn die  Bauarbeiter die Bewegungsvielfalt reduzieren oder vermehrt andere Gelenke (z.B. Knie und Schultern) beanspruchen.

Dann, wenn die Mitarbeiter Ausgleichsübungen am meisten benötigen würden (Zeit- und Arbeitsdruck), sind sie am wenigsten bereit, diese zu machen.

Mit adäquaten Arbeitsmittel (z.B. Scherentisch beim Mauern) bei entsprechender Planung (Umsetzen von Schalentisch bzw. Schalungsteilen mit Hilfe des Krans) und Materialeinsatz (5 bis 8 cm mehr K1 Beton verwenden und mit Walze planen) können mitunter Belastungen vermieden werden.

Als Orientierungshilfe mit hoher Akzeptanz hat sich das Anbieten einer „persönlichen Hausapotheke“ (Anregung von Georg Mikesch) bewährt. Diese enthält zwei bis drei Tipps, die die Bauarbeiter jederzeit umsetzen können. Weiter gegeben werden diese am besten in Einzel- bzw. Kleingruppengesprächen vor Ort.

 

 

[1] Je größer dieses Pool an Handlungsalternativen ist, um so eher wird man eine situationsadäquate finden und auswählen können.

[2] Den Autoren ist durchaus bewusst, dass auch die Messungen Interventionscharakter hatten.

[3] Wir gehen davon aus, dass Bauleute muskulär nicht unterfordert sind, sodass sie Arbeitsbewegungen zu Trainingszwecken „unökonomischer“ durchführen müssten (im Gegensatz dazu sollten im Bürobereich Arbeitssituationen als „Trainingsanlässe“ genutzt werden).


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