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  • 10.4.2009

Theorie-Praxis

Zweifel

Es gibt ungezählte Denk-Sätze, Gedankenketten, Aussprüche, die mich in ihrer Bedeutsamkeit ganz besonders erreicht haben, die mich bereits nach einmaliger Anregung in Schwingung versetzt haben, mir Energie für meine Arbeit geben.

Weil sie mir wichtig sind, ist es mir ein Bedürfnis, sie mit zu teilen.


Neulich im Zug: ein Oberstufenpärchen geht gerade Physik durch und bespricht die Arten von Energie:

Plötzlich offenbarte sich mir der Konnex zwischen dem Verhältnis von energetischer und potentieller Energie zur aktuellen politischen Situation: m.g.h und deren äquivalente Umwandlung in mv²/2. In jedem Fall hat Energie etwas mit Beschleunigung zu tun. g ist aber im politischen Kontext keine Konstante: sie ist abhängig von der politischen Kultur, der Weltoffenheit, gespeist entweder aus einem sozialisierten Altruismus oder genährt durch das Vertrauen, nicht zu den potentiellen Verlierern zu gehören.

Und: die Masse ist an sich kein kritisches Element: potentielle Energie wandelt sich nicht ohne zusätzlichen Anstoß in kinetische um. Wer schiebt an ? Die rechten Befürchter ? Die Linken in ihrer unpragmatischen Offenheit ? Machtgeile Opportunisten gleich welcher Provenienz?

Jedenfalls spielt in beiden Energieformen der Faktor Zeit eine wortwörtlich unheimliche Rolle. Druck baut sich auf (um ein anderes Bild zu nehmen (Kraft x Fläche) und auch in der Kraft liegt dieser unheimliche Beschleunigungsfaktor.

20.3.2017

 

Marc Wittmann: "Je weniger man seinen Körper spürt, umso rascher vergeht die Zeit."

 

Abschied vom Zynismus

"Es ist so leicht, Zyniker zu sein. Unendlich viele Gründe sprechen dafür, die Menschheit zu verachten. Man werfe nur einen Blick in die Geschichte. Oder in die Reality-Soaps, die Tag für Tag über unsere Bildschirme flimmern. Haben diejenigen nicht furchtbar Recht, die den Menschen als „fatalen Irrläufer der Evolution“ beschreiben? Wäre es nicht ein Segen für die Erde, wenn sie sich endlich von dem „Krebsgeschwür Menschheit“ befreien könnte? Sollten wir dem „Untier Mensch“ auch nur eine müde Träne nachweinen?

Sätze wie diese gehen uns leicht von der Hand. Wie auch könnten wir angesichts der unzähligen Belege, die unsere Unzulänglichkeit, unsere Wahnanfälligkeit, unsere Grausamkeit dokumentieren, den Glauben an die Menschheit aufrechterhalten? Nicht ohne Grund ist der Zynismus die große intellektuelle Verführung für jeden, der sich ernsthaft mit der Geschichte und Gegenwart unserer unglückseligen Spezies beschäftigt. Denn er verhindert bereits im Ansatz die schmerzliche Diskrepanz zwischen den hochtrabenden Idealen, die wir vertreten, und den bitteren Realitäten, die wir erzeugen, indem er die hehren Ideale von Vornherein als utopisch verwirft. Subjektiv ist das durchaus entlastend: Wer den Glauben an die Menschheit ohnehin verloren hat, kann durch nichts und niemanden mehr enttäuscht werden.

Durch seine Illusionslosigkeit wirkt der Zyniker reif, überlegen, abgeklärt, ja: vernünftig – und doch beruht gerade der Zynismus auf einer totalen Bankrotterklärung der Vernunft, nämlich der Überzeugung, dass vernünftige Argumente nichts, aber auch rein gar nichts, am Lauf der Dinge ändern können. Zyniker zu sein, bedeutet, vorauseilend vor der Irrationalität der Welt zu kapitulieren, um sich den eigentlichen Herausforderungen des Menschseins gar nicht erst stellen zu müssen. Warum auch sollte man sich für „höhere Ziele“ einsetzen, wenn man sowieso davon ausgehen muss, dass sich ein solcher Einsatz niemals lohnt? Das zynische Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen: „Rien ne va plus!“ – „Nichts geht mehr!“, kichern die selbstzufriedenen Bankrotteure der Vernunft – erleichtert, dass ihnen die Bürde, Geschichte humaner zu gestalten, von der schmalen Schulter genommen wurde."

Vorwort von Michael Schmid-Salomon, dem Autor des Buches "Hoffnung Mensch".

Eine bessere Welt ist möglich. Piper-Verlag 2014

Ich gebe zu dieser Verführung auch nur zu oft zu erliegen und mit wachsendem Wissen über unsere Geschichte pessimistischer (und auch zynischer) zu werden und habe es in gewisser Weise "genossen" dermaßen wortgewaltig vorgeführt zu werden.

2.1.2015


 

 

Rolf Dobelli hat mit mir mit den beiden Büchlein "Die Kunst des klaren Denkens" sowie (noch mehr) "Die Kunst des klugen Handelns" viel Freude bereitet. Auch wenn nicht alles zu unterschreiben (bei welchem Buch schon ?), diese Bücher kann ich nur weiter empfehlen:

Als Kostprobe seine Auseinandersetzung mit dem Thema "Anreiz". Erstaunlich, wie schnell und radikal Menschen ihr Verhalten ändern, wenn Anreize ins Spiel kommen oder verändert werden.. und daß Menschen auf die Anreize reagieren, aber nicht auf die Absicht hinter den Anreizen. Gute Anreize bringen Absicht und Anreiz in Deckung.

Sein Fazit: "Wenn Sie das Verhalten eines Menschen oder einer Organisation erstaunt, fragen Sie sich, welches Anreiz dahintersteckt. Ich garantiere Ihnen, daß Sie 90 % des Verhaltens so erklären können. Leidenschaft, geistige Schwäche, psychische Störrungen oder Bosheit macht höchstens 10 % aus."

3.5.2014


"Wer immer auf der Suche nach einer noch gesünderen Lebensweise ist, verpasst es gesunde Rituale aufzubauen."

Paul Scheibenpflug, Februar 2014

 


In einem Interview anlässlich des Internationalen Qi Gong-Symposions 2011 in Dietfurt (Bayern) meint Dr. Manfred Nelting:

"Schon die griechische Sisyphos-Saga enthält drei wichtige Themen des Bum-outs: das Leiden ohne Ende, die entstehende Sinnlosigkeit des Tuns und die fehlende Balance zwischen Aktion und Pause."

                                 aus: Nelting, Manfred: Schutz vor Burn-out: Ballast abwerfen - kraftvoller leben. Entschleunigung, München 2012

 

Damit definiert er auch schon drei wesentliche Eckpunkte betrieblicher Gesundheitsförderung. Entscheidend wäre die Kombination und nicht das einseitige Fokussieren eines Bereichs, wie es auch Illmarinen (siehe rechtsstehende Graphik zum Ausdruck bringt). Allerdings erfordert dies eine interdisziplinäre Sichtweise, die - vorsichtig ausgedrückt - nicht allen "Experten" eigen ist.

In diesem Zusammenhang sei an MASLOW erinnert, der 1977 meinte: »Vermutlich liegt die Versuchung nahe, alles wie einen Nagel zu behandeln, wenn man als einziges Werkzeug einen Hammer besitzt«

 

28.2.2014

 

Nicht nur sein, sondern auch "dauern"

Der P.M.-Redakteur Andreas Séché konfrontierte den norwegischen Bestsellerautor Jostein Gaardner, der "Sofies Welt" schrieb, mit der Frage wem heute noch Philosophen nützen. Im Zuge des Interviews kam es dann zu folgendem Dialog:

Séché:

Ihre Bücher sind dann auch prompt durchwegs lebensbejahend und optimistisch, selbst wenn es um den Tod geht. Aber in der Realität geben wir uns gern pessimistisch. Es ist heute schick, pessimistisch zu sein, weil es kompetent wirkt ...

Gaardner:

... und Optimismus gilt als naiv.

Séché:

Und wie kann Philosophie uns da raushelfen?

Gaardner:

Sie weist uns darauf hin, dass es zwischen Pessimismus und Optimismus noch etwas gibt: Hoffnung. Als Mensch bin ich zum Hoffen verpflichtet. Es ist auch eine Frage, wie man sich selbst identifiziert. Ich bin körperlich gesehen ein Mann und als solcher sozusagen hoffnungslos. Aber ich bin auch ein Mensch, ein Bestandteil der Menschheit, ich habe eine tiefere Identität als diesen hoffnungslosen Körper. Stellen Sie sich vor, Sie haben zwei Knöpfe vor sich und müssten einen drücken: Wenn Sie auf den einen drücken, geht die Welt in 100 Jahren zu Grunde. Wenn Sie auf den anderen drücken, sterben nur Sie selbst in einer Minute. Ich würde nicht zögern und den zweiten Knopf drücken, der mein eigenes Leben beendet.

Séché:

Das klingt aber selbstlos.

Gaardner:

Ich weiß nicht. Ich habe auch ein egoistisches Interesse, das Leben auf der Erde aufrecht zu erhalten. Eben weil meine Identität nicht nur dieser Körper ist, sondern auch meine Zugehörigkeit zur Natur und zur Menschheit. Drum würde ich diesen Knopf drücken, obwohl ich natürlich gern ewig leben würde. Ich will nicht nur sein, ich will dauern.

3.Jänner 2014


Wie alt sind wir ?

Michael Schweer hat in einem PM Magazin einmal nüchtern festgehalten: "Mit erfolgreicher Fortpflanzung hat der Körper eigentlich seine Schuldigkeit getan – wenn er etwa 30 Jahre alt ist.

Danach besteht aus evolutionärer Sicht keine Veranlassung mehr, ihn noch perfekt funktionieren zu lassen. Das merken wir bis heute. Alterung läuft aber von Fall zu Fall in unterschiedlichem Tempo ab. Will man das Alter des Körpers bestimmen, muss man den Zustand aller Organe betrachten. Schließlich werden sie bei unterschiedlicher Belastung auch unterschiedlich geschädigt. Und das Organ, dessen Alterungsprozess am weitesten fortgeschritten ist, bestimmt letzten Endes das wahre Alter des Betroffenen. Das Geburtsdatum kann man dabei vernachlässigen."

Ein gutes Beispiel  ist dazu der Bluthochdruck: in der Jugend, respektive bei Männern,  ein Vorteil, für den es sich  evolutionär betrachtet lohnt, im Alter die Rechnung zu kassieren...  Leider wächst der Zeitrahmen unserer Erwerbstätigkeit, zumindest verlangt dies die Politik immer mehr in dieses Alter rein. Bislang fokussiert man auf Bewegungs- und Stützapparat, seit kurzem auch auf den Bereich Psyche. Der Bereich Herz-Kreislauf mit seinen Interdependenzen mit den beiden erstgenannten Themen steht noch viel zu wenig auf der Agenda, zumindest nicht in Verbindung mit Arbeitsfähigkeit erhalten !

29.Dezember 2013


Unterbrechungen mindern das Wohlbefinden

Plausibel - weil an Hand einer Situation, die jeder, der Kinder hat, kennt oder selbst einmal eines war, schon einmal erlebt hat - liest sich folgender Gedanken von Daniel Kahneman in seinem Bestseller "Thinking, fast and slow" (vgl. S. 392): Kinder, wenn sie gerade mit ihrem Spielzeug beschäftigt sind, wehren sich vehement , wenn man mit ihnen auf den Spielplatz gehen möchte; und sich dann ebenso wehren, wenn man mit ihnen wieder nach Hause gehen will, wo ja schon das Spielzeug auf sie wartet. Es ist die Unterbrechung die Unmut erzeugt, der Eintausch einer Erlebniswelt gegen eine andere, ohne abzuwägen, ob diese möglicherweise unterhaltsamer wäre. Er folgt daraus: Der Unmut, ja der Widerstand gegenüber Unterbrechungen ist ein Zeichen, daß man "a good time" hat.

Es ist der "Flow", wie es der ungarische Philosoph Mihaly Czikszentmihalyi einmal formulierte, der sogar so stark sein kann, daß man auch ungern anstrengende Arbeit unterbricht... und prinzipiell nötige Pausen erst dann einzulegen bereit ist, wenn die Leistungsfähigkeit schon längst gesunken ist (siehe auch Tucker 2003). Die Konsequenz daraus lautet, daß selbst gewählte Pausen immer zu spät kommen und man daher Pausen einplanen sollte. Konsequenterweise wackelt dabei das BGF Dogma der Freiwilligkeit, wobei diese durch eine "freiwillige Selbstverpflichtung a priori" abgelöst werden sollte.

22.Dezember 2013


Ein "Lulu-Lehrerstreik" wäre "Scheiße" für die Regierenden

Letztens twitterte Florian Klenk (Journalist des Jahres 2005), sinngemäß, daß er die Angst nicht verstehe, die man habe, sollten die Lehrer wirklich einmal für zwei Stunden mit den Kindern streiken; der deftige Ausdruck Lulu-Lehrerstreik mochte signalisieren, daß man damit keinen Druck erzeugen könne: Ich bin anderer Meinung: Eine ganze Generation würde am eigenen Leib, also in ihrer primären Wirklichkeit, erleben, daß sich ihre Erziehungsberechtigten "empören". Selbst der wachsenden Zahl digital Dementer könnten (ja müssten) die Lehrer - auch wenn sie nicht diesen Bildungsauftrag haben, immerhin mit Techniken der Bildungsarbeit vertraut und sich mit der Rolle des Lehrenden leichter Gehör verschaffen könnend als jede andere Gruppe (inklusive Eltern !?) in dieser Zeit trefflich (und treffend) argumentieren, warum sie nun streikten.

Die Aussicht, daß eine ganze Generation zu einer Streikkultur sozialisiert werden könnte, daß diese quer durch alle Branchen später zu Wiederholungstätern werden könnten, muß in den Kreisen der Macht zur Vorsicht gemahnen. Selbst der linken Reichshälfte mag nicht wohl bei der Vorstellung sein, denn wenn ein übergroßer Stein einmal ins Rollen kommt, ist er schwer lenkbar, und so ein Stein rollt einem Naturgesetz gleich immer gegen die Machthaber, gleichgültig ob (ursprünglich) rechts, Mitte oder links.

22.November 2013


Der (Selbst)disziplinierungswert von Überstundenzuschlägen

Derzeit (Ende Oktober 2013) brennt im Zuge der Lohnverhandlungen ein Streit um die Flexibilisierung der Arbeitszeit, hintergründig über die Reduktion von Überstundenzuschlägen:

Abseits (oder doch nicht so ganz abseits) finanzieller Kalküls: Überstundenzuschläge sind ein Korrektiv um Arbeitszeitflexibilisierung für AG nicht aufwandsneutral werden zu lassen...  Wenn die Flexibilisierung der Arbeit nur mehr Vorteile für die Arbeitgeber hat, werden sie diese mehr als je zuvor betreiben. Den Preis zahlen dann einseitig die Arbeitnehmer, nämlich indem sie ihre zukünftige Freizeit für den Arbeitgeber disponibler macht, was deren vernünftige Planbarkeit erschwert. Das Wahrnehmen regelmäßiger sozialer, kultureller und gesundheitsförderlicher Ressourcenquellen wird dadurch eine (weitere) Einschränkung erfahren. Auf diese Weise wird Verweis auf Eigenverantwortlichkeit zum Gelingen einer Work-Life-Balance, auf die Verlängerung der Arbeitsfähigkeit wird von der gleichen Interessensvertretung unterminiert. 

Eine stärkere Flexibilisierung der Arbeitszeit mindert a priori das Regenerationspotential der Arbeitnehmer weil es arbeitsfreie Zeit undisponibler macht.  Überstundenzuschläge haben letztlich ein (indirekt auch für Arbeitgeber wünschenswertes) Disziplinierungspotential, weil diese auch indirekt zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit (Pensionsantrittsalter) beitragen !

Weil "selbstgewählte Pausen immer zu spät kommen" (TUCKER 2003) und man mit steigender Ermüdung ungleich längere Pausen braucht um den gleichen Erholwert zu haben, die Erholqualität u.a. von der vorangegangenen Belastung, der Regenerationsart und der -umgebung abhängt wäre der sozialpartnerschaftliche Aufbau einer Pausenkultur heute wichtiger denn je.

23.Oktober 2013

Menschen bewegen !

Schlanke Betriebe - oder bereits magersüchtig ?

Wer abspecken will, muß gleichzeitig trainieren, um nicht auf Muskelmasse zu verlieren...

Umgelegt auf Betriebe: Einsparungen ohne Leistungsverluste verlangen Investitionen zur Effizienzsteigerung.

Konsequenterweise wird gerade in Zeiten wie diesen Gesundheits-engagement wieder ein Erfolgsfaktor.

Rauchen - ein Thema im Gesundheitszirkel ?

Bei der Problemsammlung in Gesundheitszirkel werden im allgemeinen bestehende Probleme erfasst,

  • die die Gesundheit beeinträchtigen
  • die einer Gesundheitsförderung oder Sicherung im Wege stehen

Diese Problemerfassung erfährt eine prospektive Note, wenn auch die Frage aufgeworfen wird, was im Vorfeld beachtet werden kann, wenn Veränderungen ins Haus stehen.

Mit einem speziellen Problem wurde ich kürzlich konfrontiert: Ein Raucherplatz außerhalb eines Sauberbereichs könnte als Hygieneleck ausgemacht werden.  Von Amtswegen könnte man ein Rauchverbot in diesem Bereich aussprechen, ohne sich auch zu überlegen,  diesen Bereich (mit Überschuhen)erreichbar zu machen oder eine Alternative anzubieten.

Ein Problem, das zweifach ein fragwürdiges im Rahmen eines Gesundheitszirkels ist:

  • erstens haben die MitarbeiterInnen solange das Problem nicht, solange ihnen die Rauchmöglichkeit nicht genommen wird
  • zweitens, ist das Wegnehmen einer Rauchmöglichkeit ein Thema für einen Gesundheitszirkel ?

4.August 2013


Jahrhunderthochwasser

Während Strecken in km, Gewicht in kg, Erdbeben nach Richter quantifiziert werden, haben die Medien bei Umweltkatastrophen Wahrscheinlichkeiten quasi als Maßstab genommen, just in einem Bereich, wo sich die Maßstäbe (Klimaerwärmung) verändern.

Wird das Hochwasser 2002 künftighin nur mehr als Dekadenhochwasser bezeichnet werden können, vielleicht ab 2015 dann Biennalhochwasser ?

Wahrscheinlichkeiten suggierieren leicht Sinn, in diesem Fall Leichtsinn, denn viele haben aus der Bezeichnung unterschwellig (hoffend) herausgehört, daß sie so ein Hochwasser nicht mehr erleben werden.

Ich würde mich aber sehr wundern, wenn sich die Medien als Worttäter entschuldigen.

Ich schlage die Vervielfachung der transportierten Wassermenge als  Maßstab vor und im zweiten Atemzug die Definition von Grenzwerten dieser Vervielfachung in Abhängigkeit mit Schutz- und Entlastungsmaßnahmen....

Juni 2013


Filter bubble und serendipity

Armin Wolf führt in seinem Buch "Wozu brauchen wir noch Journalisten ?" die beiden Begriffe "filter bubble" und "serendipity" an:

Filter bubble bezieht sich aus dem Umstand, daß wir mit dem Internet Nachrichten nur mehr von solchen Absendern beziehen, die unsere Interessen im Vorfeld bereits analysieren und wir immer mehr mit Menschen kommunizieren, die ohnehin ähnliche Ansichten und Interessen haben... "weshalb wir nur "mehr aus dieser Blase unserer schon vorhandenen sozialen Umgebung Informationen aufnehmen."

Armin Wolf: Wozu brauchen wir noch Journalisten ? Wien, 2013, S.50

Das "schöne englische Wort serendipity" (ebd.) bedeutet Entdeckung oder Zufallsfund. Dieser gelingt, wenn man Zeitungen, Zeitschriften oder Fernsehprogramme durchblättert bzw. zappt, eher als beim vorselektierenden Google oder in den eigenen Kommunikationscommunities Twitter, Facebook usw.

Um einen Spiegel-im-Spiegel Effekt zu schaffen: Wenn Sie auf der Suche nach nützlichen Informationen zum Thema Ergonomie, betriebliche Gesundheitsförderung, etc. auf diese Seite gestoßen sind (und ich hoffe, es hat sich für Sie ausgezahlt), dann werden Sie gerade mit einer Überlegung konfrontiert, die auf dieser Seite nicht zu erwarten war.

So filter bubbles werden besonders offensichtlich z.B. bei Übungssammlungen zu Kurzpausenprogrammen, wo mit schöner Regelmäßigkeit seit Jahrzehnten die gleichen Übungen (gleich falsch beschrieben) angeführt werden. Aus der physiotherapeutischen Blase etwa kommen funktionsgymnastische Elemente mit quasi therapeutischer Zielsetzung, Sportwissenschafter glauben Trainingsprogramme in Form von Rückenschulen nahezu 1 : 1 aus den Turnsälen in die Werkshallen und Büros transferieren zu können. Keiner denkt sich was dabei, weil alle dasselbe "denken.

10.7.2013


Umgang mit Wissen

"Platon verstand unter Philosophie "Streben nach Wissen". Auch Sokrates fühlte sich - man denke an seinen berühmten Ausspruch "Ich weiß, dass ich nichts weiß" - immer unterwegs, um etwas zu erkennen. Aristoteles führte seinen Philosophiebegriff dagegen wieder auf den ursprünglichen Gebrauch des Wortes "philosophia" zurück: Umgang mit Wissen zu haben."

War Platon, der Lehrer von Aristoteles, anregend für ein Denken, so war Aristoteles dagegen handfester und der Realität näher. Während Platon immer wieder betonte, dass wir unsere Eindrücke als Schein abtun müssten, hatte Aristoteles ein ganz unverstelltes Zutrauen in Fantasie, Wahrnehmung und Vorstellung. Er gab den Menschen wieder Mut, dem zu vertrauen, was sie hörten und sahen. Allerdings forderte er sie auf, diese Eindrücke einzuordnen und mit dem Denken zu verbinden.

Staunen lässt sich nur unverstellt von Zweifel. Sie gib mir die Kraft das Leben auch "beschleunigt" genießen zu können. So fühle ich mich denn auch eingebettet in einer dialektischen Homöostase, dem abwechselnden innehaltenden Hinterfragen mit dem lösenden Staunen (und Tun).

Beim Hinweis zum Umgang mit Wissen denke ich unwillkürlich an das immer noch geführte Primat evidenzbasierter Gesundheitsförderung. Kürzlich erhielt ich eine Einladung zur "2. österreichischen Fachtagung zur Gesundheitsfolgenabschätzung". Übermütig habe ich mich gefragt, was ich bei so einer Fachtagung beitragen könnte, demütig musste ich mir eingestehen, daß ich mich zwar als erfolgreich in meinem Tun erlebe, aber dies nicht mit Zahlen hinterlegen könnend nicht abschätzen kann, welche Gesundheitsfolgen meine Aktivitäten haben. Ich erlebe die Multikausalität als erdrückend, wundere mich immer wieder über die Kaltschnäuzigkeit, mit der Wissenschafter dennoch Aussagen wagen oder mit welchem Aufwand sie Aussagen kreieren, die im Grunde nichts sagend sind und zur Entscheidungsfindung nichts beitragen können.

Flashar, im Standardartikel: Staunen über Aristoteles aus einem Interview vom 21.Juni 2013

anlässlich Hellmut Flashars Buch: Aristoteles - Lehrer des Abendlandes

24.6.2013


Jahrhunderthochwasser

Während Strecken in km, Gewicht in kg, Erdbeben nach Richter quantifiziert werden, haben die Medien bei Umweltkatastrophen Wahrscheinlichkeiten quasi als Maßstab genommen, just in einem Bereich, wo sich die Maßstäbe (Klimaerwärmung) verändern.

Wird das Hochwasser 2002 künftighin nur mehr als Dekadenhochwasser bezeichnet werden können, vielleicht ab 2015 dann Biennalhochwasser ?

Wahrscheinlichkeiten suggierieren leicht Sinn, in diesem Fall Leichtsinn, denn viele haben aus der Bezeichnung unterschwellig (hoffend) herausgehört, daß sie so ein Hochwasser nicht mehr erleben werden.

Ich würde mich aber sehr wundern, wenn sich die Medien als Worttäter entschuldigen.

Ich schlage die Vervielfachung der transportierten Wassermenge als  Maßstab vor und im zweiten Atemzug die Definition von Grenzwerten dieser Vervielfachung in Abhängigkeit mit Schutz- und Entlastungsmaßnahmen....


Zum 85er von Odo Marquart

"Es ist nicht so, daß Skeptiker grundsätzlich nichts wissen... aber sie wissen nichts Grundsätzliches."

Man muss ja nicht gleich ein glühender Anhänger der kritischer Erkenntnistheorie sein, um auch diesem Satz Skepsis entgegen zu bringen: Der Skeptiker weiß grundsätzlich ja laut Sokrates immerhin, dass er nichts weiß. So ein Bekenntnis "Nichts" zu wissen kann ist per se schon als Provokation zu verstehen. Aufmerksam verdient im Zitat auch das Wort: "Grundsätzliches". Grundsätze als nicht mehr hinterfragenswerte Positionen sind zwar für Gedankenketten nützlich, verdienen hin und wieder aber einer Hinterfragung. Das sind jene "philosophischen" Momente, die ich losgelöst vom Zwang auf Alltägliches reagieren zu müssen, als besonders entschleunigend genieße.

20.2.2013


Zur Lage der betrieblichen Gesundheitsförderung

Dezember 2012

 

In Zukunft stellt sich zunehmend die Frage, wie bestehende Gesundheitsressourcen im Betrieb erhalten werden können.

Gesundheitsförderung bei gleichzeitiger "Einsparung" von Ressourcen ist sonst zum Scheitern verurteilt.


Bemerkenswertes bei der Enquete "Gesundheit hat kein Alter" (Wien, 7.12.2012):

"Die Zuwachsrate in Gesundheitsorientierung muss höher sein als der Zuwachs bei der Krankenversorgung !"

Dr. Josef Probst, 7.12.2012


Bemerkenswertes zur Enquete des Fonds Gesundes Österreich "Chancengleichheit" (Villach, 23.11.2012)

Nachbarschaften:

"Nahebur": Linien, die sich kreuzen... wo man sich treffen kann... der nahe Wohnende.

Wenn man sich nahe ist, sollte man sich auch sozial nahe sein !

Nachbarschaft kann auch hohe Bindung und hohe soziale Kontrolle bedeuten.

Nachbarschaft braucht gemeinsame Interessen.


Zuvielisation

Ein geglückter Begriff von Franz Schweifer (aus seinem neuen Buch "Zeit - Macht - Ohnmacht. Top-ManagerInnen im rasenden Zeit-Dilemma."). Darin fordert er nicht nur Widerstand gegen diese "Zuvielisation", die uns permanent suggeriert, was wir nicht alles bräuchten oder tun müssten. 


Glück:

Das gleichnamige Gedicht von Günter Grass macht der Konnex: leer - vielleicht - glücklich denkwürdig: 

Ein leerer Autobus
stürzt durch die ausgesternte Nacht.
Vielleicht singt sein Chauffeur
und ist glücklich dabei.

Wahres Glück, aus der Situation das Beste machen zu können. (Ohne Fahrgäste die Freiheit zu nehmen, zu singen und sich der Nutzung dieser Freiheit bewusst den Augenblick genießen !

16.10.2012


Dabei sein - ist das alles ?

3.8.2012

Die Kombination von Rogans Sager zum Hirn erfolgreicher Sportler und dem Umstand, daß sich nach 250 vergebenen olympischen Medaillen noch kein einziger österreichischer Sportler mit ebensolcher brüsten kann hat zu einem außergewöhnlichen Blätterrauschen geführt.

Sagen wir es offen: Massenveranstaltungen mit Hymnen, Medaillenspiegel und Teilnahmebeschränkungen (würde man wirklich nur die besten starten lassen, dann gäbe es in vielen Bewerben gerade einmal zwei bis fünf Nationen, die antreten dürften) sind ein einzigartiges Forum zur Pflege von Nationalstolz. Der friedfertige Charakter darf nicht darüber hinwegtäuschen. Im Grunde geht es ja nicht um die Sportler, sondern um das Land für das sie sich verdient machen sollen. Aber was hat das Land davon ? Ruhm und Ehre ? Rein mathematisch betrachtet sollte jedes Land der Erde 5 bis 6 Medaillen bekommen. Prozentuell bezogen auf die Erdbevölkerung steht uns gerade noch eine zu. 2004 hatten wir 7, 2008 immerhin 4. Aber heisst die Devise nicht "Dabei sein ist alles" ? Also was soll's !

Neben den sich berufen fühlenden Sportjournalisten griff selbst ZIB 2 Moderatorin  Lou Lorenz-Dittlbacher das Thema auf und interviewte Sportminister Darabos. Thema: was wird in Zukunft unternommen werden, daß Österreich mehr Olympiamedaillen einfährt ? Wie kann man das Sportsystem dahingehend reformieren ?

Die zentrale Aussage Darabos "Es sollte das Ziel sein "Sportarten stärker zu fördern, die Olympiamedaillen bringen können, die populär sind" ist ein Sager, der bei näherer Betrachtung Rogans Fehlleistung "Gute Sportler haben nicht viel Hirn" bei weitem in den Schatten stellt.

Da könnte man sich schon an der Frage entzünden, was Darabos unter Sportarten versteht, "die populärer sind". Egal, welche man nun ins Treffen führt: die Konsequenz heisst Kahlschlag. Sportökologisch betrachtet bedeutet dies konsequenter Kahlschlag, weg vom Artenreichtum, hin zur Monokultur. Der hymnenbesungene Stolz auf unsere Heimat großer Söhne (nicht zu vergessen die Töchter) gründet ja nicht darauf, daß wir alle gut in einer Sache sind. Paula Preradović hat mit der Formulierung "Begnadet für das Schöne" einen Begriff gewählt, der gleichermaßen kulturelle und sportliche Leistungen einzuschließen vermag (ich weiss, da öffne ich Ätzern Tür und Tor, die nun jede Menge Sportarten auflisten, die wohl populär, aber nicht "schön" im Sinne von ästhetisch sind).

Mag Jamaika stolz auf seine Sprinter sein, die es bis in den Eiskanal geschafft haben, für mich war bisher Vielseitigkeit der "höhere" Wert. Aber jetzt: (Noch mehr) Einfalt statt Vielfalt ? Was wir von Darabos sicher nicht erwarten (können): ein System zu entwickeln, dass den vielfältigen Entfaltungspotentialen der Sportlandschaft gerecht werden kann, also einen Mannschaftssport forcieren, einen Ausdauersport, einen Kraftsport, eine Sportart, wo es auf Ästhetik ankommt, eine Sportart wo Beweglichkeit, schnelle Reaktion, Schnellkraft gefordert wird...

Denn warum geht es denn wirklich: Das COUBERTIN'sche Pyramidenmodell funktioniert scheinbar nur dann, wenn die Spitze bis in den Olymp reicht: Ein Beispiel für mich ist die Wiener Leichtathletik, die bar solcher Perspektiven dahintümpelt. Dabei sind es längst nicht die Talente, wie der Begründer der Olympischen Spiele noch dachte, die fehlen, sondern das System, dass das Talent über Jahre zu fördern im Stande ist. Das fängt bei hauptamtlichen Trainern an, geht über Sportausrüstung und Trainingsstätten und endet bei individuell zugeschnittenen Nahtstellen zur beruflichen Ausbildung. Das Sponsoring, die Verbände etc. sind dafür nur Mittel zum Zweck.

Dies lässt sich nicht in jeder Sportart erreichen, also bündeln, also lieber österreichischen Spitzensport zu einer einfältigen Designdroge machen !?

Apropos Designerdroge: Was mich an den Spielen fasziniert:

Spitzensportler (und die dahinter stehenden Systeme) setzen sich vier Jahre einer immensen Vertikalspannung (auf diesem Leistungsniveau stehe ich... da will ich hin) aus und versuchen sie mit allen (leider oft auch unerlaubten) MItteln zu erreichen. Mit den Spitzenleistungen verdichten sie diese Bemühungen an einem festgesetzten Zeitpunkt geben damit dem Publikum Gelegenheit live an derer Höchstleistung teilzuhaben. Damit werden die Olympischen Spiele zu einer emotionalen Hochzeit, die im besten Sinne des Wortes fasziniert. Indem sie derart unsere Aufmerksamkeit bündelt (fascere) erfüllt sie auch eine gewaltige Ventifunktion, die in Zeiten drohende (bzw. eingesetzter) Verarmung in umfassenden Sinne (nicht nur wirtschaftlich, auch politisch und kulturell) Zerstreuung bietet. In diesem Sinne:

Ich finde es fein, daß Österreich keine Spitzensportler bei den Spielen hat. Da bleibt einem der von Nationalismen unverstellte Blick auf die enormen sportlichen Leistungen, die ungetrübte Freude an Leistungen und vor allem Emotionen von Spitzenathleten aller Länder.


Politikverdrossenheit und Zukunftsangst

... es gibt auch den Aspekt des radikal Unpolitischen. Wenn man etwa konsequent den Gedanken von Hesse folgt, der 1935 an Gunter Böhmer schreibt : "Wir dürfen uns den Nöten und Problemen des Tages nur dann hingeben, wenn wir gewillt sind, in ihnen Partei zu ergreifen und uns ganz einzusetzen. Da ich die Partei nicht kenne, deren Ziel ich ganz bejahen könnte, gibt es diesen Weg für mich nicht."

Bereits früher (aus einem Brief 1923) hat Hesse darauf hingewiesen, nicht aus Bequemlichkeit nicht öffentlich Partei ergreifen zu wollen, sondern aus der Überzeugung , "daß der Streit um Parteien und Prinzipien auf einer völlig anderen Ebene vor sich geht als das, was meine eigenen Gedanken und Bemühungen ausmacht." Andernorts (1918) drückte er seine Überzeugung aus, daß sich Menschlichkeit und Politik im Grunde immer ausschließen. "Beide sind nötig, aber beiden zugleich dienen ist kaum möglich. Politik fordert Partei, Menschlichkeit verbietet Partei." Ist der Anspruch der Menschlichkeit verpflichteten Parteien, wie auch immer "gerechte Spielregeln" konsequent postulieren, bloß ein (fallweise) schwieriger Spagat oder letztlich immer eine Contradictio in se ? Ist es also der Verdruss ob der politischen Akteure oder am systemimmanenten Defizit an Menschlichkeit ? Läuft Globalisierung Menschlichkeit alternativlos zuwider ? Wir fürchten heute die Globalisierung der "freien Marktwirtschaft" und haben (noch mehr) Angst vor den unbekannten Konsequenzen der Alternativen, die nicht als Gegenentwürfe geplant werden, sondern garantiert unkontrolliert und damit noch unabsehbarer "passieren" werden.

10.6.2012


Das leidige Theorie-Praxis-Problem, auch in der betrieblichen Gesundheitsförderung

Hermann Hesse streicht in seinem Werk "Das Glasperlenspiel" S.283 den Unterschied zwischen Herrschern und Gelehrten" heraus, den ich an dieser Stelle bedingt auf die Praktiker und Wissenschafter umlegen möchte. Hesse im Orginaltext:

"Zum Herrschen ... bedarf es ... einer ungebrochenen Freude an einer nach außen gewendeten Aktivität, einer Leidenschaft des sich Identifizierens mit Zielen und Zwecken, und gewiß auch einer gewissen Raschheit und Unbedenklichkeit in der Wahl der Wege zum Erfolg. Lauter Eigenschaften also, welche ein Gelehrter ... nicht haben darf und nicht hat, denn für ihn ist Betrachtung wichtiger als Tat, und in der Wahl der Mittel und Methoden, um zu seinen Zielen zu gelangen, hat er gelernt, so skrupulös und mißtrauisch wie nur möglich zu sein." 

Wissend darum, daß jede Entscheidung eine Vorentscheidung gegen eine möglicherweise bessere Variante sein mag sei es inhaltlicher oder auch organisatorischer Natur zu sein, müsste ich oft auch unsicher zaudern: Denn die Wirksamkeit von Maßnahmen in der BGF hängt meiner Erfahrung nach nicht zuletzt vom Zeitpunkt bzw. der Reihenfolge ihres Einsatzes ab. Bei der Entscheidungsbildung dominiert mein Expertenwissen, ergänzt durch ein lückenhaftes - mehr noch: bruchstückhaftes, weil doppelt gefiltertes Insiderknowhow. Doppelt gefiltert, weil ich in Vorgesprächen oft nur die selektierte Version von Fachleuten und Vorgesetzten vermittelt bekomme, oder Fragebogenergebnisse etc. die letztlich auch nur die Abbildung der Verbalisierung (der Verbalisierung) des Erlebens der Mitarbeiter darstellen.

Ohne dem Mut zur Unbedenklichkeit würde ich aber die oben beschriebene ungebrochene Freude und Leidenschaft einbüßen, mit der ich Führungskräfte und Mitarbeiter zu begeistern vermag. Die Unbeirrtheit ist Schlüssel eines Erfolgs, der sich der Gefangenschaft "skrupulöser und mißtrauischer" Reflexion entledigt hat. Unbeirrt ist nicht der, der sich nicht irrt, sondern derjenige, der die Möglichkeit des Irrens antizipiert. Im Bemühen, Irrtum zu vermeiden, scheitert er bereits apriori.

So notwendig ein evidenzbasiertes Vorgehen in der BGF aus gesundheitswissenschaftlichen Gesichtspunkten sein mag: seine Begleiterscheidungen sind methodische Monokultur (z.B. Gesundheitszirkel) und Unflexibilität. Die noch zu wenig eingelöste Konsequenz wäre eine vertiefende Kommunikation zwischen den beiden Gruppen...

9.6.2012


Aufgeschnappt am AUVA Forum Prävention in Innsbruck, Mai 2012

Herbert Friesenbichler

"Vorgesetzte stehen davor, Führungskräfte stehen dahinter."

FUCHSIG

Der außergewöhnliche, vielseitig begabte Arbeitsmediziner Heinz Fuchsig brachte die defensive Einseitigkeit des Arbeitnehmerschutzes köstlich zum Ausdruck.

"Sind Evaluierer nur Schnüffler oder auch Trüffelschweine, die Schätze zu heben ?"

Evaluation sollte auch Ressourcen sichtbar machen, was sichtbar ist, lässt sich auch bewusster fördern.

Helm/Monshi:

Zitat von BREUER als Leitsatz:

"Wenn wir unsere protektive Intelligenz nutzen, dann fordern wir vom anderen - Wenn wir unsere kollektive Intelligenz nutzen dann fördern wir einander."

Im Verteilungskampf gehen gehen jede Menge Ressourcen verloren, die für Kooperationen nutzbringender gewesen werden. Dies ist respektive beim Verdrängungswettbewerb, der immer noch zwischen Arbeitsmedizin und Arbeitspsychologie (mit Kampflächeln) durchgeführt wird, so. Siegreich aus dem Kampf um Betreuungszeiten steigen die, die am besten interdisziplinär kooperieren können.

Trimpop:

In dem wahrscheinlich am spannendsten vorgebrachten Referat der ganzen Veranstaltung zeigt Trimpop u.a. das Schild aus einem Betrieb: "Arbeiten Sie heute nicht fleißig, dann suchen Sie morgen fleißig nach Arbeiten". An einem anderen Vortrag wurde darauf hingewiesen, daß Menschen, die sich selbst stark unter Druck setzen weit schneller ausbrennen und in den Krankenstand gehen.... 


Was jetzt

Gedanken im unmittelbaren Anschluß an das Lesen des gleichnamigen Bestsellers von Hugo Portisch.

Der Titel "Was jetzt" könnte als glatte Themenverfehlung verurteilt werden, als Täuschung für alle, die zwischen "Was wird uns die Zukunft bringen" und "was müssen wir ändern" taumelnd nach Antworten suchen. Doch bietet das Büchlein "unerwartete" Orientierungshilfen und moralische Stütze aus dem lebendigen Geschichtserleben dieses Ausnahmejournalisten. Nicht der einzelne Jour mit seinen spektakulären Kuriositäten sondern der Blick über das konkrete Tagesereignis hinaus auf die historische Kette, das geschichtliche Band, lässt die Tiefe der Gegenwart, die Verbundenheit mit der Vergangenheit spüren und sich daraus im ersten Schritt Zuversicht und im weiteren hoffentlich auch die Kraft für eine konstruktive Gestaltung der Zukunft schöpfen.

Nicht der laute journalistische Beitrag, erst der kontemplative (Rück)blick auf die Geschichtlichkeit der uns wortwörtlich fesselnden und in Bann haltenden Ereignisse, ermöglicht es uns, uns neu zu sammeln, uns neu zu orientieren, Ziele ins Auge zu fassen und dann wieder zu verfolgen. Portischs Beitrag entschleunigt, indem er vom Wasserfall der Tagesberichterstattung Abstand schafft. Er gibt keine Antwort auf die Frage was jetzt, aber er führt den Leser in eine bessere, weil tiefgründiger Ausgangslage um selbst Antworten zu suchen.

22.1.2012


Glücklich, wer entschleunigen kann

Es ist unmöglich, mit einem Wasserfall einen Becher mit Wasser anzufüllen. Das gelingt nur beim Eintauchen in ruhiges Wasser bzw. bei einem nicht allzu aufgedrehten Wasserhahn. Glück braucht Ruhe: um im Hier und Jetzt wahrgenommen werden zu können und nicht weiter gerissen zu werden.

Finden wir aber die Zeit uns mit der Zukunft, die ja nach Augustinus nur Erwartungen in der Gegenwart ist, auseinander zu setzen und uns um das zukünftige Glück zu sorgen so entrinnt uns das gegenwärtige Glücksgefühl. Dann ist derjenige, der das Glück halten will, unglücklicher als derjenige, der sich (in seiner Bewusstlosigkeit keinen Durst fühlend) damit begnügt zuzuschauen, wie ein Wasserfall in seinen Becher stürzt ohne ihn je zu füllen... 

14.1.2012


Der Frosch im Topf

Wenn man einen Frosch in einen Topf mit kochendem Wasser wirft, ist er bestrebt, sofort wieder herauszuhüpfen. Wird er aber in einen Topf mit lauwarmem Wasser gesetzt, so bleibt er angeblich drin sitzen, auch wenn das Wasser erhitzt wird, bis er zu Tode gekocht ist. Mir kommt vor, den Menschen geht es zurzeit ähnlich. Würde man uns sagen, was auf uns zukommt, wäre wahrscheinlich der Teufel los. Also werden wir nach der Salamitaktik scheibchenweise je nach Notwendigkeit mit Wahrheit, Halbwahrheit und Lüge gefüttert, bis es vielleicht zu spät ist. Vergleichbar mit dem Frosch eben.

Josef Höller, per E-Mail als Leserbrief an die Kronenzeitung, erschienen am Mi, 21.12.2011

Ein Lehrbeispiel wie man, wenn schon nicht erfolgreich, so doch wenig folgenreich mit einer Krise umgeht. Denn für die Demokratie ist es die größere Krise, wenn der Frosch heraushüpfen würde (und die Demokratie zusammenbrechen würde) als wenn er nur zu Tode gekocht wird (da bleibt ja immer noch die Hoffnung, daß das Feuer vorher von allein ausgeht). Sollen wir (Frösche) mit dem Wasser in dem wir sitzen, das Feuer, daß selbiges erhitzt versuchen auszulöschen ? Weniger Wasser erhitzt sich ja bekanntlich schneller als eine große Menge !?

Abseits der pessimistischen Beitrag zur Wirtschaftskrise hat mich der Leserbrief auch betroffen gemacht in Hinblick auf die akzeptabel werdende Sache mit dem Alt werden und dem Sterben, traurig aktuell....


Mobil machen, entschleunigen

SLOTERDIJK stellt auf einen Punkt bringend seinen Überlegungen über Übertreibungsverfahren folgende These voran:

"Modern ist das Zeitalter, das die höchste Mobilmachung der menschlichen Kräfte unter dem Vorzeichen von Arbeit und Produktion zustande brachte, während antik alle Lebensformen heißen, in denen die äußere Mobilmachung im Namen von Übung und Perfektion geschah."

SLOTERDIJK, Du mußt dein Leben ändern. 2011, S. 329

Die im Prinzip sinnvolle, weil "Vertikalspannungen erzeugende" Mobilmachungen bergen übertrieben verfolgt auch Pathologien, die kompensiert werden wollen:

"Während der Modernen durch Kuren und Ferien ihre Arbeitskrankheiten kompensieren, setzten die Mönche das Arbeiten ein, um Abhilfe gegen ihre Kontemplationskrankheiten zu schaffen".

ebd. S. 330

Damit steht die "vita contemplativa" wie auch die "vita activa" sowohl in einem Gegensatz wie auch einem innerem Zusammenhang (Übungswelt und Arbeitswelt, Perfektionswelt und Produktionswelt).

Die Herausforderung besteht darin, die vita contemplativa nicht nur als "Not wendigen" Ausgleich zur vita activa zu positionieren, ohne sie aber letztlich in die Pflicht der Letzteren zu nehmen. Dies passiert aus meiner Sicht, wenn Anti-Burnout-Strategien um den Erhalt bzw. der Wiederherstellung von Arbeitsfähigkeit propagiert werden. Andererseits hat die Professionalisierung des Perfektionierens längst schon eigene Arbeitswelten entstehen lassen, die Sloterdijk berechtigt in einem anderem Kontext als eine vita performativa entlarvt. Dabei denke ich nicht nur an die Kultur- und Sportlandschaft, sondern auch an die Medienlandschaft mit ihren vorwiegend auf Zerstreuung abgestellte Unterhaltung  von Olympiaden bis Kuriositäten, wie "Deutschland sucht sein nächstes Top Modell"...

Versteht man contemplatio nicht in der christlichen Tradition als bloße beschauliche Konzentration auf geistige, sondern mit Plinius (Plin. 6, 194. – II) als das Hinrichten des Blickes nach einem Ziele, das Zielen, Plin. 6, 194. – II). So vermag eine vita contemplativa zur "Entpassivierung seiner selbst willen (vgl. SLOTERDIJK 2011, S. 306) abseits von Arbeitszwängen beizutragen. Voraussetzung ist eine Bildung des Blickpunkt des Selbstverständnis vom bloßen Geformtsein auf die Seite des Formenden.

Die Wurzeln dafür sind in der Kindheit zu legen, in der Jugend zu fundieren, sie nie aus dem Blickpunkt zu lassen um sie im Alter wieder verstärkt zu verfolgen. Eine Mobilmachung zum Erhalt einer ganzheitliche Mobilität, die mehr umfasst als die körperliche und geistige Beweglichkeit und Barrierefreiheit.    

Eine mir im letzten Monat wichtig gewordene Einsicht ist die um die Verwobenheit von Mobilität und Entschleunigung und der daraus resultierende Potentiale:

Entschleunigung eröffnet die Möglichkeit zum Herausheben aus dem Alltagsfluss (bis zum scheinbaren Festmachen der Zeit) was das Verweilen bei einem Ziel, das Hinrichten und reflektierende Nachjustieren des Blickes darauf, ermöglicht. Wichtig sind die Erfahrungen und damit die Zuversicht, daß Entschleunigung reichere Wahrnehmung eröffnet. In weiterer Folge erwächst daraus eine Ressource für Resilienz und Autopoiesis, was letztlich auch Mobilität unterstützt..


Gier

Gier bedeutet die affektive Auskleidung der ontologischen Annahme, es sei möglich, eine dauerhafte Asymmetrie zwischen Geben und Nehmen aufrechtzuerhalten. Behält bei einem Spieler das Nehmen längerfristig die Oberhand, spricht man gemeinhin von seinem Erfolg: Im gewöhnlichen Verständnis bezeichnet Erfolg ein Überbelohnungsphänomen... Chronisch Überbelohnte entwickeln überdurchschnittlich häufig das Talent, ihre Prämien für einen angemessenen Tribut an ihre Leistung zu halten - oder bei fehlender Leistung an ihr bloßes eminentes Sein und, warum auch nicht, ihre physische Erscheinung...

SLOTERDIJK, Peter: Zorn und Zeit, Frankfurt am Main 2008, S.309


ad Libyum 4.4.2011

Unwiederbringlich die Zeiten, als Militärs mit gleichen Waffen kämpfen mußten wie Zivilisten. Bemerkenswert der frühe, wenn auch bis heute nicht überall verbreitete Konsens, daß in kriegerischen Auseinandersetzungen die Zivilbevölkerung zu schonen sei. Doch wo bleibt die Moral, wenn Krieg herrscht ? Und wie sieht es aus, wenn die Bevölkerung selbst in Ermangelung demokratischer Instrumente zu kriegerischen greift ?

Daß es zu den derzeitigen NATO-Einsätzen gekommen ist, ist in mehrfacher Hinsicht überraschend: Die UNO hätte dem nie zugestimmt, weil im Sicherheitsrat selbst einige Länder vertreten sind, die keinen Präzidenzfall brauchen, weil auch sie letztlich bereit sind, zu "libyschen Optionen" zu neigen, sollte ihre eigene Macht einmal in Frage stehen. Die Hoffnung, daß irgendwann einmal alle Länder demokratisch regiert werden und dann solche Bürgerkriegsgreuel nicht mehr stattfinden werden, muß durch Realpolitik genährt werden. Der NATO Waffengang hat unbestritten die Macht und wenigstens bedingt die Moral auf ihrer Seite. Kein Weltkrieg wegen Gaddafi ! Libyen ist ein spezieller Einzelfall, der aber ebenso zu denken geben sollte wie die Reaktorenschäden bei Fukushima. Wenn die Hoffnung auf die Durchsetzung von Volksaufständen so mit Erfolg gekrönt wird, wie derzeit in den islamischen Staaten, könnte auch die Bevölkerung in demokratischen Ländern zur Nachahmung ermutigt werden.

Dem ließe sich hinzufügen, daß Indien Ghandi hatte und keine Waffen brauchte sogar eine Fremdherrschaft abzustreifen: Indien aber hatte das UK, das sich letztendlich bereits vor drei Generationen als menschlicher gegen der Kolonie zeigte als Gaddafi gegenüber den eigenen Landsleuten. Wie hätte sich das Hitlerregime je stürzen lassen, wenn es den Krieg gewonnen hätte ? 

Die Militärs sind heute auf einen Stand der Technik, Organisation und auch Psychologie, daß ihnen eine dauerhafte Sicherung von Machterhalt zuzutrauen ist. Deshalb argwöhne ich auch gegen den Gedanken eines österreichischen Berufsheers. Wer hat die Macht  so eine Macht zu kontrollieren ? Auch die NATO kann nur Kraft ihrer Wehrmacht als selbst ernannte Beschützer auf den Plan treten. Was wäre, wenn dies die Russen oder Chinesen oder Iraner ebenfalls täten ? Irgendwen und irgendwas ist immer m Sinne des "nationalen Interesses" schützenswert.

So frage ich mich, wer mit dieser Militärintervention alle ein Zeichen erhalten haben: die Geknechteten dieser Welt oder auch die Militärs ?


Kultur, 20.1.2010

In regelmäßigen Abständen versuche ich mir "Festzeiten" zu eröffnen, den Alltagsfluss anzuhalten und in Auseinandersetzung mit Grundsätzlichem wieder den Blick zu schärfen für die alltägliche Auseinandersetzung. Ein Diskurs über SLOTERDIJK's Buch "Du sollst Dein Leben ändern" war dem sehr förderlich, auch wenn ich seinen Ausführungen nur teilweise etwas abgewinnen kann. So halte ich seine Diskurse über Religion überzogen und den Blick verstellend auf andere Aspekte. Wenn etwas Guy Deutscher, in seinem Buch "Im Spiegel der Sprache" englische, deutsche und französische Wörterbücher den Kulturbegriff auslegen lässt, dann inspiriert dies auch zur die Reflexion von Begriffen, die in meinem Arbeitsbereich neben- und auch gegeneinander gestellt werden, Prävention, Gesundheitsförderung und Arbeitsfähigkeit erhalten. DEUTSCHER's geht in seinem preisgekrönten Buch (Wissenschaftsbuch des Jahres 2010) ja von der These aus, daß die Welt in anderen Sprachen anders aussieht...

Jetzt aber zu den Kulturbegriffen:

Culture: cultivation, the state of beeing cultivated, refinement, the result of cultivation, a type of civilisation.

The Chambers Dictionary

(Kultivierung, Kultiviertheit, Verfeinerung, das Ergebnis  der Kultivierung, eine Form von Zivilisation)

Kultur: Gesamtheit der geistigen und künstlerischen Errungenschaften einer Gesellschaft.

STÖRIG, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache

Culture: Ensemble des moyens mis en œuvre par l'homme pour augmenter ses connaissances, déveloper et améliorer les facultés de son esprit, notamment le judgement et le goût.

Atilf, Trésor de la langue fançaise informatisé

Gesamtheit der Mittel, die der Mensch einsetzt, um seine Kenntnisse zu erweitern, sowie seine geistigen Fähigkeiten, vor allem seine Urteilskraft und seinen Geschmack, zu entwickeln und zu verbessern.

Gehen wir, um mit Deutscher (2010, S. 17) zu sprechen mit den Begriffen um, in einer unverbindlicher Liste von Synonymen, in der höflich alle unbequemen Definitionen vermieden werden. Oder erbarmungslos gründlich, übermäßig intellektuell, den Begriff mit uncharmanter Präzision auf den Kopf gehauen. Oder idealistisch, das Handels des Menschen in den Mittelpunkt stellend ?

Wachsam zu sein gilt es jedenfalls Begriffsbildungen in moralischem Licht, versehen mit einem normativen Moment: Kultur (so der Anthropologe Edward Tylor) ist demnach jener Inbegriff von Wissen, Glauben, Kunst, Moral, Gesetz, Sitte und allen übrigen Fähigkeiten und Gewohnheiten, welche der Mensch als Glied der Gesellschaft sich angeeignet hat. 


Fairness, 7.10.2010

Impulse aus dem 15.Informationstag zu betrieblichen Gesundheitsförderung in St.Veit an der Glan zum Themenkreis "Betriebskultur.Wertschätzung & Fairness im Unternehmen." Eine Auseinandersetzung mit der Begrifflichkeit "Fairness" ist - so wurde mir klarer denn je - ein grundlegender Aspekt für die Bewertung von Welt und Orientierungshilfe für Entscheidungen....


Oktober 2010 quo vaditis o tempores ?

Ein Blick in die Zeitungen macht mir Angst: Die Wirtschaftsmacht Asien (mit mehr als 10 % Wirtschaftswachstum, Europa nur 1 %) diktiert die künftigen Spielregeln indem sie auf einem unvorstellbaren Devisenberg sitzend ihre eigene Währung unverhältnismäßig schwach hält, auf der anderen Seite gönnerhaft Staatsanleihen von Spanien und Griechenland kauft; der KURIER bringt "vorbildliche Betriebe", denen es bereits gelungen ist, mehr als 2/3 der Belegschaft in Ostasien arbeiten zu lassen und von der Einkünfte zu lukrieren.

Auf der anderen Seite sind unsere Pensionen nicht mehr finanzierbar, wenn nicht das faktische Pensionsalter von 58 auf 63 angehoben (so auch der rote Sozialminister (!) Hundsdorfer, bzw. der Pensionsrechner Marin). Wenn ich in meinen Seminaren dies anführe, können kniemarode Verschieber, kreuzgeplagte Industriearbeiter nur säuerlich lächeln.... Ich gehe durch Graz, sehe Bettler, die Bäcker preisen Ware von gestern um den halben Preis an. Immermehr Bettler...

"Eine Krise besteht dann, wenn das Alte stirbt und das Neue nicht geboren werden kann."

Antonio Gramsch

Dazu noch ein bemerkenswerter Satz aus der Gewerkschaft: die Krise ist erst dann vorbei, wenn alle wieder ausreichend Geld verdienen können um zu leben." 800 000 Menschen in Österreich verdienen zuwenig Geld um davon leben zu können. 

Ich lese, daß die Prognose des Wirtschaftswachstums um weitere 0,3 % nach oben korrigiert wurde, gleichzeitig wird mit einem Ansteigen der Arbeitslosen gerechnet. Auf dem Weg aus der Steiermark zurück nach Hause bleibe ich bei einer Tankstelle an der Autobahn stehen. Als ich zahlen will muß ich gute fünf Minuten warten. Ich habe Zeit mich umzusehen: Neben der Tankstelle ein okay Selbstbedienungsmarkt, dazu noch ein Restaurant. Überall ein paar heruntergekommene Gestalten, die mich argwöhnisch mustern. Denn schießt eine Frau aus dem Hinterzimmer mit einem Schnitzelteller. Während sie dem Gast den Teller hinstellen ruft sie mir ein "Ich komm glei" zu. Bis sie bei mir ist, um das Geld für das Tanken zu kassieren überschlage ich, was sie für diesen dreifach Job wohl bekommen mag und wie viel dem Besitzer im Hintergrund wohl bleiben wird... es wird immer schwerer einen Job zu bekommen, immer leichter Menschen auszubeuten. Hunderttausende Ich-Gesellschaften de facto ohne Sicherheitsnetz, denen dieses Risiko nicht abgegolten wird !!

"Wer will, daß die Welt so bleibt wie sie ist, der will nicht daß sie bleibt"

Erich Fried

Wie Sätze zynisch klingen können, wenn man sie sich zu falschen Zeiten in Erinnerung ruft !

Ach ja: während ich dies schreibe sitze ich im Zug auf dem Weg zu einem Symposium zum Thema Wertschätzung, ausgerichtet von einer GKK Mitarbeiterin, die ich sehr schätze, die Absurdität der Ambivalenz dieser Endzeit schmeckend.


"... Aber der eigentliche Grund, warum wir uns so gut fühlen, wenn wir unser Herz-Kreislauf-System in Schwung bringen, ist, daß das Gehirn dann am besten funktioniert. Dieser nutzbringende Effekt körperlicher Bewegung ist aus meiner Sicht weitaus wichtiger - und faszinierender - als all das, was sie für den Körper tut. Daß dabei Muskeln aufgebaut und etwas für die Konditionierung des Herzens und der Lungen getan wird, sind im Grunde Nebenwirkungen.."

John J. RATEY / Erich HAGERMANN: Superfaktor Bewegung. VAK Verlag. Kirchgarten bei Freiburg 2009, S.9

Bewegung kann man nicht delegieren, man muß sie selbst tun und in diesem Sinn ist der Appell nach Eigenverantwortlichkeit zu verstehen. Eine engstirnige Verkürzung wäre aber die Gleichsetzung von Eigenverantwortlichkeit, Privatsache und ergo Freizeitsache. Gerade Bewegungsimpulse in der Arbeit wirken sich besonders effektiv aus.  "Was muß ich tun, um ausreichend Energie zu haben", ist eine physiologische Frage respektive bei Arbeiten mit statischer Belastung; nicht nur eine Motivatorische wenn es um die Entscheidung geht, sich doch in der Freizeit zu bewegen.

Letzten Endes geht es um die Zeit selbst, die man Bewegung widmet. Mit der Zeit (und dann auch mit der Energie) sinnvoll umzugehen - also manchmal auch entschleunigen - ist eine psychologisch-organisatorische Herausforderung. 

Daß dies unmittelbarer für die Arbeit lohnt, sollte noch mehr Ansporn sein.


Es ist Reichtum, andere Menschen für sich arbeiten zu lassen. Mit anderen Menschen zusammen leben zu können, ist Kultur:

Es stellt sich nicht die Frage, ob wir eine multikulturelle Gesellschaft haben wollen oder nicht, wir haben sie bereits. Die Frage ist, wie bereit wir alle (sowohl Alteingesessene wie Neuankömmlinge) sind und sein werden, Nahtstellen statt Schnittstellen zu entwickeln, zu schaffen und zu pflegen...

Konklusio aus zahlreichen Diskussionen mit meinen Töchtern, 2009


Die herausragende Leistung des platonisch gedeuteten thymós besteht in seiner Fähigkeit, eine Person gegen sich selbst aufzubringen. Diese Wendung gegen sich selbst kann geschehen, wenn die Person die Ansprüche nicht erfüllt, die befriedigt werden müßten, damit sie die Achtung vor sich selbst nicht verliert.... Mit dieser Wendung zur Selbstauflehnung beginnt das Abenteurer der Selbstständigkeit. Erst wer sich selbst tadeln kann, kann sich selber lenken.

Peter SLOTERDIJK: Zorn und Zeit. Suhrkamp Verlag. Frankfurt am Main 2006, S.41

Eine grundlegende Schwäche unserer Gesellschaft liegt in ihrem (im Sinne SLOTERDIJK's vgl. ebd. S.30) "erotischen" Zugang zur Gesundheit: Während die Erotik Wege zu den Objekten zeigt, die uns fehlen und durch deren Besitz und Nähe wir uns ergänzt fühlen, erschließt die Thymotik den Menschen die Bahnen, auf denen sie geltend machen, was sie haben, können, sind und sein wollen. Symptomatisch die Arztfrage: Was fehlt Ihnen denn ?

Wer Menschen zu Patienten macht, also zu Personen ohne Stolz, raubt Ihnen a priori eine gesundheitsförderliche Beherztheit.


Entschleunigung

"Genauso wenig wie Beschleunigung und Schnelligkeit Werte an sich sind, sind Entschleunigung und Langsamkeit von sich aus schon erstrebenswert. Der Notarzt muss schnell am Unfallort sein, aber der, der ihn braucht, weil er vorher mit seinem Auto an den Baum geknallt ist, wäre besser langsamer gefahren."

Fritz REHEIS: Entschleunigung. Abschied vom Turbokapitalismus. Wilhelm Goldmann Verlag. München 2006, S.16

Nicht mehr zur Diskussion stellt REHEIS an dieser Stelle mehr die Wichtigkeit von Entschleunigung. Ich habe diese Stelle des Buchs ausgewählt, weil es auch einen Knackpunkt meiner Arbeit beschreibt: eine Elastizität im Umgang mit Zeit zu entwickeln und zu kultivieren.

Wie in einem Hamsterrad schneller zu werden ist keine Kunst, aber langsamer zu werden ohne auf den Bauch zu fallen.

Die Kunst in der Arbeit besteht darin, einerseits sein Arbeitstempo zu finden, u.a. in Abstimmung zu Atem- und Herzfrequenz und auch entschleunigen zu können.


 

   

 

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