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Sportunterricht

     

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Erziehung zum Sport - Erziehung durch Sport

15.8.2012

Die aktuelle Olympiadiskussion gibt Anstoß zu grundsätzlichen Gedanken über die Aufgabe des Schulsports (ehemals Leibeserziehung).

Die Erziehung des Leibes kommt nicht ohne Selbstverpflichtung aus, die nicht erst auf das Auftreten körperlicher Beschwerden wartet. Es zeugt aber von Optimismus, nur darauf zu hoffen zu wollen, daß die Funktionslust, also der natürliche, angeborene Bewegungstrieb  ausreichen um sich so einer  Selbstverpflichtung langfristig zu unterziehen.

Wenn aber Gesundheit nicht in der Lage ist so eine "Vertikalspannung" (vgl. SLOTERDIJK) zu erzeugen, daß man/frau bereit ist an sich dauerhaft zu arbeiten, sich zu (leibes)kultivieren, so eher die Aussicht auf Ruhm und Ehre (und Geld bzw. sozialen Aufstieg). Wer zur Elite gehören möchte, erreicht dies aber nicht Gesundheitssport sondern den elitären, weil hierarchisierenden ( chauvinistischen) Spitzensport....

Es lebe das Pyramidenmodell - ein alter Wein in neuen Schläuchen ! Gefüllt anlässlich der unrühmlichen, weil medaillenlosen Olympiade 2012.  Es stellt sich die Frage, welche Vakua diese Medaillen schließen schließen hätten sollen: Diese möchte ich aber an anderer Stelle weiter führen.

Die Diskussion weckt auf mich auf. Warum erscheint es in diesem Lichte nicht mehr so abschreckend, den Spitzensport als (alleinigen) Erfüllungsgehilfen so einer notwendigen Vertikalspannung zu instrumentalisieren ?

Wir leben in keiner Leistungsgesellschaft, sondern in einer Erfolgsgesellschaft

Hier möchte ich mich mehr mit dem

Offensichtlich sagt die Produktion von Medaillen etwas über die wirtschaftliche und politische Leistungsfähigkeit eines Staates aus.

Medaillen wären auch etwas Balsam angesichts der wirtschaftlichen Lage gewesen.

 

Peinlicher Sportjournalismus:

Da thematisieren Sportjournalisten vier Jahre lang überwiegend Fußball, Motorsport, Alpinski und Skispringen. Exotische Sportarten wie Kanufahren, Pistolenschießen, Moderner Fünfkampf und Leichtathletik sind allenfalls Randnotizen wert. Zu Olympias Zeiten erwartet man aber, daß Österreicher in eben diesen Sportarten besser als die Athleten aus Rußland, China, USA usw. sein können. Und dann zwingen sie Rogan quasi zum Canossagang einer Pressestunde mit wortwörtlich peinlichen Anfragen, die der Arme, zuvor ins Fettnäpfchen Gehüpfte geduldigst über sich ergehen ließ. Inquisition pur ! So ungeschickt Rogans Sager zum Gehirn von Sportler war: Die Sportjournalisten sollten froh sein, daß er sich nicht zu deren Geisteszustand geäußert hat, wenn sie ihn mit so fachlich wertvollen Fragen traktierten wie: "Wie fühlen Sie sich so ?" oder "Haben sie gut geschlafen". Rogan hat sich diszipliniert und sich dabei wohl - bildlich ausgedrückt - die Zunge abgebissen um (wortwörtlich) höflich antworten zu können. Oder haben die raffinierten Sportjournalisten nur deshalb so abgrundblöde Fragen, um eine weitere Entgleisung zu provozieren, die wieder ausgeschlachtet werden könnte ?

Statt Rogans Ver-Sager zum Anlass zu nehmen, das Thema Konzentration im Sport zu erhellen, haben sie das Spektakel prolongiert. Sind halt doch nur  Jour-nalisten, die für den Tag schreiben, thematische Eintagsfliegen nur auf Ereignisse fixiert. Verwöhnt, vorprogrammierten Spektakel beiwohnen zu können, lassen sie sich von diesen Treiben oder Betreiben diese selbst...

Symptomatisch ist die Abbildung der Diskussion wie man in Zukunft mehr Medaillen erringen kann ohne auch nur einmal anzusprechen, warum dies so wichtig wäre, welche Konsequenzen dies (abgesehen, daß die Chauvinisten wieder ein paar Helden zu befeiern hätten) hätte.

 

 


Macht ein Begriff bereits Programm ?

Juni 2007

1986 waren wir (Gründungsmitglieder der Österreichischen Sportwissenschaftlichen Gesellschaft) uns einig, die Leibeserziehung nicht in Sportunterricht umzunennen, weil dies einer unserer Meinung nach nicht wünschenswerten Entwicklung zum Sport, statt durch Sport Vorschub geleistet hätte.

Tatsächlich ermöglicht(e) das Konzept eines Rahmenlehrplans die flexible Berücksichtigung der verschiedensten Bewegungsrichtungen. Wenn ein Leibeserzieher also wollte, konnte er den Unterricht flexibel gestalten...

Allerdings hatten wir in Österreich in der universitären Ausbildung nicht den Willen (und schon gar nicht den Mut), den der Österreicher Horst Tiwald hatte, nämlich als Leiter des Hamburger Sportwissenschaftlichen Instituts dieses in ein Institut für Bewegungswissenschaften umzubenennen.

Viele Bewegungsinteressierte, aber nicht sportbegeisterte Pädagogen machten ihre Ausbildungen anderswo (z.B. Rhythmik) und gingen dem offiziellen Bewegungsfach leider verloren.


Die ÖsterreicherInnen sind nicht ausreichend fit für die Arbeit

Die von der Sportwissenschaft empfohlene Betätigungszeit pro Woche wird für Erwachsene mit zwei bis drei Trainingseinheiten (à 45 bis 60 Minuten) angegeben; ausreichend um den körperlichen Status aufrecht zu erhalten. Zuwenig um ihn zu entwickeln. Kinder hingegen sollten täglich zwei bis drei Stunden lang in Bewegung sein, damit die körperlichen Funktionen korrekt aufgebaut werden können.

Doch laut WHO sind zwei Drittel aller Kinder körperlich zu wenig aktiv und werden aufgrund mangelnder Bewegungserfahrung (z.B. richtiges Fallen) zunehmend "ungeschickter". Das bedeutet, dass nicht nur ihre Fähigkeiten (Kraft, Ausdauer, Koordination) nicht ausreichend entwickelten werden, geschweige denn ein Leben lang erhalten werden, auch die für körpergerechtes Arbeiten nötigen Bewegungsfertigkeiten werden nicht ausgebildet.

Das politische Anliegen „Erziehung zum Sport“ greift zu kurz; auch „Erziehung durch Sport“ vermag nicht das zu halten, was Berufstätige langfristig benötigen.

In den beschleunigten und „rationalisierten“ Arbeitwelten ist keine Zeit, um Menschen ausreichend zu sensibilisieren für Bewegungsqualität und Belastungswechsel, für gesundheitsförderliche Handlungsalternaiven.

In den letzten Tagen (Februar 2010) wurde ich gleich von drei Seiten unabhängig gefragt, wie man nur inaktive Männer im Betrieb für Gesundheit gewinnen könnte: Ich denke, wir hätten es wesentlich leichter, bzw. wären bereits einen Zwischenschritt weiter, wenn Problembewusstsein und Handlungskompetenz auseinander klaffen würden: Vorerst sind Anstrengungen zu unternehmen das Problembewusstsein für körpergerechtes Arbeiten zu entfalten. Hier greift Wissensvermittlung (Unterweisungen) zu kurz: man muss sich nicht nur richtig bewegen wollen (Einstellungsänderung), man muss es aber auch können. Dabei denke ich nicht nur an die technisch-organisatorischen Voraussetzungen, um die Betriebe besorgt sein sollten, sondern auch an die bloße Tatsache, dass viele ArbeitnehmerInnen aus mangelndem Bewegungsgefühl Arbeitshaltungen und -bewegungen nicht richtig machen können[1]

[1] Stattdessen nehmen sie unbewusst Schonhaltungen ein, also Haltungen, um die Muskulatur zu schonen – auf Kosten von Bändern und Gelenken, sie leiten Bewegungen so ein, dass die allseits geforderte „gerade“ Rückenhaltung gar nicht aufrecht erhalten werden kann, usw.

Not-Wendigkeiten

Ich plädiere für einen Paradigmenwechsel 

Ein Paradigmenwechsel ist notwendig, weil bloße Umverteilungen zur Finanzierung der Schäden sich zwar den Folgen der Not von Betroffenen (und die daraus resultierende Not „Krankheit“) widmen und vielleicht auch wenden mag, aber nicht die krankheitsverursachende Not. Wir wissen beispielweise von therapieresistenten Patienten, die an einem sogenannten RSI-Syndrom leiden[2], dass der Schmerz nur durch Vermeidung der Auslösereize (Änderung der Arbeitsplatzsituation) vermieden werden kann. Schmerzstillende Mittel greifen da zu kurz. Aus Angst um den Arbeitsplatz greifen Arbeiterinnen im Lebensmittelhandel bei Rückenschmerzen zu schmerzstillenden Mitteln – und gehen schlussendlich mit Magenbeschwerden in den Krankenstand.

[2] Studien sprechen von 5 % der Bevölkerung und mehr, die unter diesem Symptom leiden. Viele Orthopäden kennen diesen  gängigen Begriff zur Beschreibung berufsbedingter Schädigungen des Bewegungsapparats (vor allem im Handgelenk) infolge lang anhaltender monotoner Bewegungen nicht.

Sportunterricht bietet da in mehrfacher Hinsicht zu wenig an:

  • weder explizite Reflexion über das Potential von Bewegung

  • noch Erlebnismöglichkeiten, um dieses Potential auszuloten

Damit möchte ich dem Primat der Freude an der Bewegung nicht abschwören, aber

Wir brauchen eine verstärkte Gesundheitserziehung und Bewegungs-Animation in der Vorschule und Grundschule. Das momentane Ausmaß reicht nicht aus und aus bewegungsergonomischer Sicht wäre es hilfreich ein eigenes Unterrichtsfach „Bewegungserziehung“ für 6 bis 10 jährige zu schaffen, bzw. ein Unterrichtsfach, das sich dem Themenkreis „Gesundheitsförderung und Ergonomie“ widmet für alle 14 bis 19 Jährige.

Flankierend wäre eine berufsspezifische Thematisierung im Rahmen der Lehrlingsausbildung von Nöten und die Hereinnahme in den Prüfungskanon bei der Lehrabschlussprüfung, nach dem Motto „was muss ein Lehrling wissen und können, damit er langfristig beschwerdefrei arbeiten kann".

Voraussetzung wären entsprechende Ausbildungsmodule für KindergärtnerInnen,Volks- und HauptschulehrerInnen, LehrlingsausbilderInen und LeibeserzieherInnen.

 

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