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Die Wirkungen von Dehnen sind unbestritten: in der Physiotherapie und im Gesundheitssport versucht man damit  Muskeldysbalancen auszugleichen; im Leistungssport ist Dehnen ein Bestandteil des Aufwärmens wie auch der Regeneration...

Die Versuchung liegt nahe, Dehnen 1:1 auch in die Arbeitswelt einzuführen. Ein Blick in die verschiedenen Broschüren über  Ausgleichsübungen, "Fit am Arbeitsplatz" etc. belegt (und da nehme ich auch meine eigenen Publikationen auf's Korn*), daß die jeweiligen Übungen lediglich beschrieben werden , die besseren Beschreibungen geben auch Hinweisen auf mögliche Fehlervermeidung Raum.

Auch neueste Broschüren, die stolz präsentiert werden, geben nur Übungsbeschreibungen ab und geben substanziell selten was Neues her.

Wann oder besser warum ?

Die Frage, ob Dehnungsübungen sinnvoll sind ist genauso platt wie z.B. die Frage ob Kräftigungsübungen, Ausdauersport oder Entspannungsübungen sinnvoll sind. Natürlich sind sie dies unter den gegebenen Umständen. Und genau letztere werden nie explizit hinterfragt.

Es ist wohl jedermann/frau einsichtig, daß Krafttraining nicht sinnvoll ist, wenn man ohnehin vorher oder danach körperlich schwer arbeiten muss **). Weltweit die Runde gemacht hat eine australische Studie, wonach auch Dehnen unmittelbar vor Sport nutzlos, wenn nicht sogar kontraproduktiv sei. Dahinter steht die muskelphysiologisch plausible Erklärung, dass Dehnen tonussenkend wirkt und damit die Kontraktilität der Muskeln beeinträchtigt.

Unmittelbar nach einer hohen Intensität können Dehnübungen weit schwerer tonussenkend wirken (gerade jetzt wäre es aber fein !), weil der (übersäuerte) Muskel kurz geschlossen ist. Intensives Stretching bei übersäuerter Muskulatur unmittelbar nach schweren muskulären Belastungen macht im Gegenteil Muskelkater tendenziell wahrscheinlicher, weil die Milchsäure während des Dehnens nicht aus dem Muskel gepresst wird und so sein Unwesen (z.B. Z-Zellen zerstören) treiben kann. Da wären lockere Bewegungen mit kraftlosen Kontraktionen der beanspruchten Muskulatur zielführender. Warum also dehnen ?

Noch gewichtiger scheinen mir in diesem Zusammenhang aber psychologischen Aspekte des Dehnens.  Eine genußvolle Stretchingeinheit kann unheimlich entspannend wirken.  ***)

Das Problem beim Dehnen ist aber schlicht, daß sich so wenig dabei tut.  Damit wird Dehnen auch ein disziplinäres Problem: beim Dehnen wirkt lockeres Scherzen störender als bei Schwunggymnastik. Dazu bergen Dehnübungen wesentlich mehr Fehlerquellen, es ist also konzentrierter zu üben und das "artet in Arbeit aus". Vor allem Männer, die bei Dehnungsübungen schon Ohnmachtserfahrungen hatten - sofern sie überhaupt welche bisher gemacht haben -  sind schwer dazu zu gewinnen sie freiwillig zu machen.

Die Wahl welche ausgleichenden Übungen gewählt werden hängt pragmatisch betrachtet deshalb nicht bloß vom prinzipiellen Wert des Übungsgutes ab sondern vom Charisma des Übungsleiters und seiner Möglichkeiten dieses "Charisma" auch ausspielen zu können. Im Rahmen einer mehrminütigen Unterweisung Dehnübungen einmal vorzustellen ist, greift zu kurz. Gerade mit Dehnungsübungen muss man sich nicht nur "bekannt machen" sondern auch vertraut machen !

Deshalb -  bei aller Wertschätzung für physiologische Dehnung (zum richtigen Zeitpunkt) -  finden sich z.B. in meinem Übungskanon für gewöhnlich kaum Dehnungsübungen.

Solche Überlegungen werden leider in Evaluierungen nicht einbezogen. Mit szientistischer Einäugigkeit wird daher der Effekt von Ausgleichsübungen  für gering geschätzt. Übungen wirken aber leider nur, wenn man sie auch tut.

 

 

 

* In meinen eigenen Unterlagen...

... füge ich nach Möglichkeit stets einen Unterpunkt "Wann" hinzu, ohne mich dort allerdings verbreitern zu können.

 

 

 

 

**) Der Umkehrschluss "Gleich mit dem Schwersten" zu beginnen, weil man da noch nicht müde ist, birgt ja auch Nachteile.

 

 

 

 

***) Ich gebe zu, daß ich mir selbst dieses Geschenk viel zu selten mache.

 

 

 

Da geht es auch ganz profan um zeitliche Ressourcen !

Bekannt machen: die Übungen kennen lernen und wissen, wie sie gehen.

Vertraut machen: Übungen so gut beherrschen, daß diese hohe hohen Konzentrationsaufwand durchgeführt werden können, daß man sich auf sie einlassen kann.

 
 

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